Warum wir nicht mehr nur bei AWS hosten

Wir bleiben AWS treu — und erweitern trotzdem unsere Hosting-Strategie um EU-souveräne Anbieter. Eine nüchterne Analyse von Anforderungen, Risiken und Verantwortung gegenüber unseren Kunden.

AWS bleibt für uns ein zentraler Partner

Vorweg: Wir schätzen AWS weiterhin als einen der zuverlässigsten und technologisch fortschrittlichsten Anbieter weltweit. Herausragende Verfügbarkeit, hohe Innovationsgeschwindigkeit, exzellentes Ökosystem für skalierbare Architekturen, bewährte Sicherheitsmechanismen.

Für viele Anwendungsfälle — insbesondere hochskalierende, global verteilte Systeme — ist AWS nach wie vor eine ausgezeichnete Wahl. Unsere Entscheidung bedeutet also nicht „weg von AWS“, sondern „bewusster Einsatz von AWS“.

Warum wir unsere Strategie erweitern

Mit zunehmender Regulierung und steigenden Anforderungen an Datenschutz und Compliance rückt ein Thema immer stärker in den Fokus: digitale Souveränität. Darunter verstehen wir mehr als nur den physischen Standort von Servern. Es geht um die Frage, wer im Zweifel Zugriff auf Daten hat — und ob dieser Zugriff fremden Rechtsräumen unterliegt.

Digitale Souveränität ist kein Buzzword

Viele Angebote werben mit „EU-Hosting“ oder „Datenstandort Europa“. Ein wichtiger Schritt — aber oft nicht ausreichend. Ein zentraler Punkt wird häufig übersehen:

  • Unternehmen mit Sitz außerhalb der EU — insbesondere mit US-Muttergesellschaft — können gesetzlichen Zugriffspflichten unterliegen (z. B. CLOUD Act).
  • Diese können auch greifen, wenn Daten physisch in der EU gespeichert sind.

Physischer Standort allein garantiert keine echte Souveränität.

Unsere Definition von echter Souveränität

Für uns ist digitale Souveränität nur dann gegeben, wenn:

  • das betreibende Unternehmen seinen Hauptsitz in der EU hat,
  • es keiner außereuropäischen Gerichtsbarkeit unterliegt,
  • die gesamte Datenverarbeitung innerhalb dieses Rechtsraums bleibt.

Das ist ein deutlich strengerer Maßstab als üblich — aber aus unserer Sicht notwendig.

Konsequenz für unsere Architektur

Wir verfolgen daher zunehmend einen Multi-Provider-Ansatz, der bewusst differenziert.

1. AWS — für globale Skalierung und komplexe Systeme

  • Wenn Performance, globale Verfügbarkeit und Services im Vordergrund stehen.
  • Wenn regulatorische Anforderungen dies zulassen.

2. EU-basierte Anbieter — für souveräne Workloads

  • Für sensible Daten und kritische Geschäftsprozesse.
  • Für Kunden mit hohen Compliance-Anforderungen (z. B. Healthcare, öffentliche Hand).

3. Hybride Architekturen

  • Kombination aus beiden Welten.
  • Klare Trennung von Daten und Services nach Schutzbedarf.

Kein Dogma, sondern differenzierte Entscheidung

Wir glauben nicht an „one size fits all“. Statt ideologischer Entscheidungen setzen wir auf kontextbasierte Architektur, transparente Risikoabwägung und klare Kommunikation mit unseren Kunden.

Fazit

AWS bleibt ein essenzieller Bestandteil unseres Toolsets — und wird es auch bleiben. Gleichzeitig erweitern wir unseren Ansatz, um den steigenden Anforderungen an digitale Souveränität gerecht zu werden. Technische Exzellenz allein reicht nicht mehr aus — rechtliche Kontrolle wird genauso entscheidend. Genau dort setzen wir an.

Hosting-Strategie auf den Prüfstand?

Wenn ihr eure aktuelle Cloud-Strategie unter Souveränitätsgesichtspunkten neu bewerten wollt, reden wir 30 Minuten darüber. Kein Pitch — wir schauen euch ehrlich an, wo Zugriffsrisiken liegen und wo eine EU-souveräne Erweiterung sinnvoll ist. Kostenfrei, unverbindlich.

Häufige Fragen

Was uns Kundinnen und Kunden zu unserer Multi-Cloud-Strategie am häufigsten fragen — offen beantwortet.

Heißt das, ihr migriert alle Bestandskunden weg von AWS?+

Nein. Wer heute auf AWS gut aufgehoben ist und keine zusätzlichen Souveränitätsanforderungen hat, bleibt da. Wir erweitern unser Portfolio, nicht unsere Migrationspflicht.

Welche EU-souveränen Anbieter setzt ihr konkret ein?+

Anbieter mit Hauptsitz in der EU und ohne US-Muttergesellschaft. Konkrete Namen besprechen wir im Erstgespräch — abhängig von Workload, Compliance-Profil und Performance-Anforderungen.

Reicht der Datenstandort EU bei AWS Frankfurt nicht aus?+

Für viele Workloads ja. Für regulierte Branchen und Behörden-nahe Workloads zunehmend nicht — der CLOUD Act greift unabhängig vom physischen Standort, sobald die Mutter US-Recht unterliegt. Das ist die Lücke, die wir mit EU-souveränen Anbietern schließen.

Was kostet eine hybride Architektur mehr?+

Aufschlag liegt typisch bei 15–30 % gegenüber Single-Cloud — abhängig vom Trennungsgrad. Dafür bekommt ihr klar abgegrenzte Workloads ohne Souveränitätsrisiko. Im Erstgespräch rechnen wir den TCO für euren konkreten Fall.