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Das Image wurde eingespielt, dann schlug das IDS an. Warum wir jedes Image prüfen.

Ein Kundenimage wurde ausgerollt, Minuten später schlug das IDS an. Wie wir die Software-Lieferkette so prüfen, dass so etwas nicht mehr in Produktion landet.

Büro-Bild mit drei Monitoren, roten Warn-Akzenten und Mosel-Fensterblick im Abendlicht

TL;DR — die 90-Sekunden-Zusammenfassung

Das Muster

Container-Image läuft durch die Pipeline, IDS schlägt im Cluster an — Traffic, den niemand angefordert hat

Die Ursache

Build-Ergebnis wird geprüft, Code aus dritter Hand (Base-Images, Sidecars, Helm-Charts) als gegeben hingenommen

Prüfungs-Bausteine

Signatur-Verifikation (Sigstore/cosign), SBOM (CycloneDX), Provenance (SLSA), kontinuierliche Nachprüfung

Hartstopp

Admission Controller im Cluster setzt „ohne Signatur kein Deploy“ durch — keine Ausnahmen

Regulatorischer Anker

NIS-2 verlangt Lieferketten-Risikomanagement, CRA macht Hersteller für ihre Software entlang des gesamten Lebenszyklus haftbar

Erste Iteration

findet fast immer etwas — eine alte Basis, ein vergessenes Sidecar, eine deprecated Abhängigkeit. Das ist kein Versagen, das ist die Diagnose

 

Was ist das Problem?

Es ist eines der teuersten Szenarien moderner IT-Organisationen und zugleich eines der häufigsten: Ein Container-Image läuft durch die Pipeline, wird im Cluster aktiviert, und wenige Minuten später schlägt das IDS an. Im Container ist Traffic sichtbar, den niemand erwartet hat und der nichts mit dem eigenen Code zu tun hat. Was danach beginnt, ist selten die spektakuläre Krise mit Nachtschicht. Es ist eher die stille Anamnese in den Meetings der folgenden Tage: Woher kam das, wie ist es reingekommen, warum hat die Pipeline das nicht vorher gemeldet?

Dieses Muster sehen wir in Aufnahmegesprächen mit mittelständischen IT-Teams regelmäßig. Es ist fast immer die Folge eines blinden Flecks, der für sich genommen harmlos aussieht, in Summe aber jede Lieferkette angreifbar macht: Das eigene Build-Ergebnis wird gründlich geprüft. Der Code, den die Pipeline von außen holt (Base-Images, Abhängigkeiten, Sidecars, Helm-Charts), wird als gegeben hingenommen. Damit verschiebt sich die Vertrauensgrenze unbemerkt von Ihrem Repository an Dutzende fremder Registries, an Hunderte fremder Maintainer und an alles, was in deren Build-Pipelines passiert.

Auswirkungen: jede Stufe ist ein Übergabepunkt

Jede der genannten Stufen — Base-Image, Paketabhängigkeit, Sidecar, Helm-Chart — ist ein Übergabepunkt, an dem Code aus dritter Hand in Ihre Infrastruktur gelangt. Die Angriffe auf diese Übergabepunkte werden professioneller, nicht spektakulärer.

Wo die Angriffe heute sitzen

Keine davon ist ein Null-Day-Drama. Alle zusammen sind der Grund, warum das IDS irgendwann etwas meldet, das niemand angefordert hat.

Wer ist betroffen?

Im Kern: jeder Mittelstand, der Container in Produktion betreibt — ob auf Kubernetes, Nomad, ECS oder einer Docker-Swarm-Insel. Drei Konstellationen sind besonders exponiert.

Wer ausschließlich self-built Base-Images aus einer einzigen internen Registry betreibt, ist deutlich weniger exponiert — hat dafür aber eine andere Pflicht: die Sauberkeit dieser Registry beweisen zu können.

Mitigation und Sofortmaßnahmen — vier Bausteine

Quick-Start in der Reihenfolge, in der wir Pipelines aktuell durchziehen — jeder Baustein schlägt eine bestimmte Klasse von Vorfällen ab.

 

# Quick-Prüfung eines Images auf Signatur und SBOM
cosign verify --certificate-identity-regexp=".*" \
  --certificate-oidc-issuer-regexp=".*" \
  registry.example.com/app:v1.2.3
syft registry.example.com/app:v1.2.3 -o cyclonedx-json > sbom.json
grype sbom:sbom.json

 

1. Signaturverifikation über Sigstore und cosign

Jedes Image, das in Produktion darf, hat eine kryptografische Signatur von einem benannten Identitätsanbieter. Ohne gültige Signatur kein Deploy. Punkt. Der Admission Controller im Cluster (Kyverno, Connaisseur oder Sigstore Policy Controller) setzt das hart durch. Keine Ausnahmen, auch nicht für „kurz mal eben“-Deploys.

2. SBOM, Software Bill of Materials

Jedes Build-Artefakt trägt eine maschinenlesbare Stückliste seiner Komponenten — idealerweise CycloneDX. Wenn morgen eine neue CVE auftaucht, wissen Sie in Minuten, welche Ihrer laufenden Workloads betroffen sind. Ohne SBOM wissen Sie es in Tagen oder gar nicht. Dependency-Track als Open-Source-Empfänger reicht völlig.

3. Provenance nach SLSA

Die Herkunft eines Artefakts wird maschinenlesbar dokumentiert: welcher Commit, welcher Runner, welche Parameter, welche Umgebung. Das ist der Unterschied zwischen „wir glauben, das Image kommt von uns“ und „wir können beweisen, dass es von uns kommt“. SLSA Level 2 als realistischer Mittelstand-Anfang, Level 3 als Reifegrad-Ziel.

4. Kontinuierliche Nachprüfung

Ein Image, das heute sauber ist, ist in sechs Wochen möglicherweise ein CVE-Kandidat. Unsere Pipeline prüft laufende Workloads daher täglich gegen aktualisierte Vulnerability-Datenbanken (Trivy, Grype, Snyk), nicht nur zum Deploy-Zeitpunkt. Sichtbar in einem Dashboard, das auch Nicht-Techniker lesen können.

Detection und Prüfung

Fünf Kernfragen, mit denen Sie in einer halben Stunde wissen, wo Ihre Lieferkette heute Klartext-Lücken hat.

Quick-Check, den wir vor jedem Audit fahren:

 

# Alle distinct laufenden Images im Cluster
kubectl get pods --all-namespaces \
  -o jsonpath='{range .items[*]}{range .spec.containers[*]}{.image}{"\n"}{end}{end}' \
  | sort -u

# Signatur-Prüfung pro Image
for img in $(cat images.txt); do
  cosign verify "$img" > /dev/null 2>&1 \
    && echo "OK $img" || echo "FAIL $img"
done

Betreiberempfehlung

Was für welches Setup operativ stehen sollte — abhängig vom heutigen Reifegrad.

Cross-Referenzen: der npm-EVM-Cluster-Beitrag für Mirror-Topologien, der Bitwarden-Beitrag für Pipeline-Disziplin im Detail, der CI/CD-Verdichtungs-Beitrag für die strukturelle Argumentation.

Fazit

Lieferkettensicherheit ist kein Add-on, das man im nächsten Quartal evaluiert. Sie ist die Grundlage dafür, dass das, was bei Ihnen läuft, auch das ist, was Sie laufen lassen wollten. Vier Bausteine — Signatur, SBOM, Provenance, kontinuierliche Prüfung — ergeben in Summe eine Pipeline, die das nächste IDS-Ereignis nicht als Überraschung erlebt, sondern als bereits inventarisierten Befund.

Die Frage lautet nicht, ob das nächste manipulierte Image kommt. Sie lautet, ob Ihre Pipeline es vor dem IDS bemerken würde — und ob Sie nach dem Bemerken in derselben Stunde wissen, welche Workloads auf welcher Komponente in welcher Version stehen. Mit den vier Bausteinen geht die Antwort von „hoffentlich“ auf „in zwei Befehlen“.

Eine längere Aufarbeitung mit konkreten Beispielen unserer DevSecOps-Pipeline, der Admission-Controller-Konfiguration und der Dependency-Track-Integration findet sich unter ole-hartwig.eu.

Häufige Fragen zur Image-Prüfung

Was uns Kundinnen und Kunden zum Thema Lieferkettensicherheit am häufigsten fragen — offen beantwortet.

Wir nutzen nur offizielle Base-Images. Reicht das nicht?+

Offizielle Base-Images sind besser als irgendwelche Community-Builds, aber sie sind keine Garantie. Sie enthalten weiterhin Abhängigkeiten aus dritter Hand, sie werden gelegentlich kompromittiert, und sie altern — ein im Januar sauberes Image kann im April längst neue CVEs haben. Signaturprüfung, SBOM und kontinuierliche Nachprüfung gelten deshalb auch für offizielle Images, nicht nur für externe.

Was kostet ein Image-Scan pro Deploy?+

In Sekunden gerechnet: meist unter einer Minute pro Build. In Lizenzen gerechnet: überraschend wenig, weil die ausgereiften Werkzeuge (cosign, Trivy, Syft) Open Source sind und nur bei Enterprise-Add-ons Kosten entstehen. Der größere Posten ist die einmalige Integration, nicht der laufende Betrieb. Wir kalkulieren typischerweise einen fünfstelligen Einrichtungsaufwand und einen deutlich niedrigeren monatlichen Betriebsaufwand.

Was passiert, wenn der Scan anschlägt — blockiert das unsere Releases?+

Ja, bei harten Funden. Das ist die Idee eines Gates. Gleichzeitig regeln wir mit Ihnen vorher, was als „hart“ gilt und was nicht: Kritische CVEs ohne Fix blockieren. Mittlere Funde mit definierter Remediation-Frist laufen als Warnung durch. Informational-Funde werden geloggt, aber nicht gebremst. Entscheidend ist, dass diese Grenzlinien gemeinsam gezogen werden, bevor der erste Stopp passiert — nicht in der Hitze eines blockierten Release-Tages.

Können wir das ex post nachrüsten, ohne die Pipeline komplett umzubauen?+

Ja. Wir bauen in der Regel nicht um, wir hängen rein. cosign und Trivy integrieren sich als zusätzliche Pipeline-Stages in fast jede CI-Umgebung. Der Admission Controller im Cluster läuft parallel zu bestehenden Deployments. Die ersten Ergebnisse sehen Sie oft nach zwei bis drei Tagen, die vollständige Absicherung nach zwei bis drei Wochen — abhängig davon, wie viele unerwartete Altlasten der erste Scan hervorholt.

Wie verhält sich das zu NIS-2 und CRA — ist das dasselbe?+

NIS2 und CRA adressieren denselben Bereich aus unterschiedlichen Winkeln. NIS2 verlangt von betroffenen Einrichtungen ein nachvollziehbares Risikomanagement ihrer Lieferkette. Der CRA verlangt von Produktherstellern Sicherheit über den gesamten Lebenszyklus ihrer Software, einschließlich Updates. Die technischen Bausteine — Signaturen, SBOM, Provenance, Nachprüfung — erfüllen zentrale Anforderungen beider Regelwerke. Wer das sauber aufsetzt, löst beide Pflichten in einer Bewegung.

Ein Blick auf Ihre Build-Chain, bevor der nächste Alarm kommt.

Lassen Sie uns strukturell sprechen

Wenn Sie Ihre Pipeline dauerhaft so aufstellen wollen, dass das IDS künftig weniger zu tun hat, lohnt sich ein nüchternes Gespräch über Ihren Ist-Stand und die nächsten zwei bis drei Schritte. 30 Minuten, kein Pitch. Wir schauen uns gemeinsam Ihre Build-Chain an und zeigen Ihnen, wo die schnellsten Gewinne liegen und was guten Gewissens später kommt.

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